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L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Hier könnt ihr eure 319 und/oder Euch selber vorstellen
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Jeder der sich neu anmeldet im Forum, sollte sich hier kurz vorstellen um ein wenig aus der Anonymität des Internets hervorzutreten und ein wenig gute Manieren zu beweisen. Auch diejenigen die denken es kennt sie jeder, werden gebeten sich die Mühe zu machen und ein wenig über sich zu schreiben, da ja auch die Neuankömmlinge sicher gerne wissen würden mit wem sie es hier zu tun haben.
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Harald2
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L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 06.05.2017, 11:51

Liebe Freundinnen und Freunde der L 319, der O 319, deren Derivate,

als seit nun auch schon wieder beinahe drei Jahren relativ stiller Teilhaber auf diesen schönen, meist ruhigen Seiten, sind mir die Forumsregeln natürlich immer wieder mal vor die Augen geflimmert:

„Jeder der sich neu anmeldet im Forum, sollte sich hier kurz vorstellen um ein wenig aus der Anonymität des Internets hervorzutreten und ein wenig gute Manieren zu beweisen. Auch diejenigen die denken es kennt sie jeder, werden gebeten sich die Mühe zu machen und ein wenig über sich zu schreiben, da ja auch die Neuankömmlinge sicher gerne wissen würden mit wem sie es hier zu tun haben.“

Sollte. Nicht muss. Gerade in Zeiten des Internet halte ich, umzingelt von Kameras und Mikrofonen und unter multipler Erfassung des jeweiligen Aufenthaltsortes, die Bewahrung der eigenen Anonymität für ein wertvolles Gut, wobei eine solche Haltung von einer ähnlichen, meist etwas weniger ehrbaren Heckenschützenmentalität abzugrenzen wäre. Jedenfalls gingen in dieser Grundhaltung die Tage und Monde ins Land der begrenzten Möglichkeiten, während unter der selbstaktivierten Beruhigung meines durchaus vorhandenen Gewissens Gedanken zur Frage um einen Hervortritt aus der Anonymität etwa beim betreten des Gasthauses Zum silbernen Stern in 03190 Benzheim eher in eine Richtung gehen, mich mit zuvor abgenommenem Hut und angedeuteter Verneigung dem ortsansässigen Stammtischpersonal vorzustellen, als mir dies etwa beim betreten des mehr schnell als Restaurants am Autohof in 63691 Nagelhofen in die mehr oder weniger koordinierten Sinne käme. So stehe ich zwischen Für und Wider in der Überlegung, der sich auf dem Erdball aufhaltenden Menschheit Einblicke aufzudrängen bzw. zu ermöglichen in etwas, was vielleicht für meinen Nachbarn interessant sein könnte, aber unwichtig ist.

Mani, der, der einiges auf dem Kasten hat, erinnerte an meine Manieren, indem er schrieb: „Hast du selbst einen 319 ? Bitte Stelle ihn uns auch mal vor .Ist es der auf deinem Profilbild ? Der wurde vor einiger zeit ja mal Verkauft .Gruss Mani"

Nun bin ich bei diesen Worten zwar nicht sofort hagedornrot angelaufen, aber da ich von Mani eigentlich wissen möchte, in welchem Farbton er den Innenraum seines wunderschönen Kastenwagens lackiert hat und diesbezüglich, weil ungeklärt, nachfassen will, damit ich mich eines Tages nicht im Farbton vergreife – (Mani hat sich wohl so dermaßen in das hagedornrot verguckt, dass er keine Augen mehr für meine Frage hatte, was man beim Anblick der großflächigen Schönheit absolut verstehen kann) – ist es nun vielleicht an der Zeit, ein paar Worte über den 319 in meinem Profilbild zu verlieren, obwohl die auch nachher noch da sind.
Zunächst: Wie kam es, dass es dazu kam?

Nun, nachdem ich praktisch zwischen zwei sich drehenden Mercedessternen aufgewachsen bin, einer leuchtete auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof, der andere auf dem Hochhaus im Werk Stuttgart Untertürkheim der sang- und klanglos untergegangenen Daimler-Benz A. G., beide in damals moderner, heute klassischer Erscheinung, weißer Stern im blauen Ring, bin ich seit frühester Kindheit wehrlos und mit nachhaltig anhaltender Wirkung vorgeprägt. Als ich das Licht der Welt erblickte, war es stockdunkel, schriftlichen Überlieferungen zufolge auf die Minute dreiundzwanziguhrsieben. Die beiden drehenden Mercedessterne waren um diese Uhrzeit sicher beleuchtet, das nähere Umfeld dürfte somit erleuchtet gewesen sein. Mein Geburtsgewicht mit exakt 3.500 Gramm war entweder geschätzt oder Präzision, die Körperlänge lag mit 53 cm in der Dimension des Durchmessers des Lenkrads, nahezu waagerecht liegend, elfenbeinfarben, im O 322, dem Linienbus der SSB, sprich der Stuttgarter Straßenbahnen, die somit nicht nur eine Schiene fuhren. Ein Jahr nach meiner Geburt, 1960, geschahen aus meiner heutigen Sicht zwei historisch ganz besonders bedeutsame Ereignisse:

1. Die SSB führten den O 322 ein, der mich später, dann schon etwas betagt (der Bus), bei jeder Mitfahrt grenzenlos faszinierte.

2. Im nahegelegenen Sindelfingen wurde unter hämmern und schweißen ein Führerhaus gebaut und auf ein Fahrgestell montiert, welches die Henninger-Bräu K. G. a. A. (Kommanditgesellschaft auf Aktien) dem Kaufmann Otto Römer finanzierte, der mit dem Schnell-Lastwagen im süddeutschen Landkreis Waldshut schnell durstige Kunden zu versorgen hatte. Finanzierung und Leasing sind also nichts Neues.

In Stuttgart Untertürkheim bauten derweil fleißige Schwaben beim Daimler für den angehenden Schnell-Lastwagen einen Motor vom Typ OM636/VII. Dieser wurde wohl alsbald nach Sindelfingen transportiert, um dort mit dem Fahrschemel unter bzw. in das Fahrgestell geschoben zu werden. Danach ging es nicht nach Waldshut, sondern erst einmal nach Frankfurt, wo der Henninger Turm mitten in seiner baulichen Entstehung war. Während der Henninger Turm oben Meter um Meter Höhenluft erklomm, waren bodenständig vermutlich einige L 319 auf der Baustelle, wahrscheinlich Kasten- und Pritschenwagen, letztere vielleicht mit Einfach- und Doppelkabine. Wie auch immer. Beeindruckt, oder auch nicht, unweit der Baustelle hatte Karosserie-Baumeister Hans Berger seit 1942 seinen Betrieb, der heute weiterentwickelt, noch als BERGER Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH existiert. Aus dieser Meisterhand erhielt der L 319 D seinen Getränke-Aufbau, den auch heute noch das Qualitätssiegel ziert: BERGER KAROSSERIEBAU Frankfurt/Main. Der BERGER-Aufbau ist nicht nur hochwertig und zweckmäßig ausgeführt, sondern wurde zudem ausgesprochen werbeträchtig gestaltet. Der Aufbau besteht, neben dem Ladeboden aus Holz, vorne und hinten aus einer feststehenden Wand. Die Beladung erfolgt seitlich über klappbare Bordwände. Zum Schutz gab und gibt es auch heute noch eine rot/weiß gestreifte Plane. Wohl auch zur Stabilisierung trägt der Aufbau längs ein Reklameschild, welches die vordere und hintere Wand verbindet. Die Reklame auf diesem Fahrzeug zielt neben Henninger als Brauerei auch speziell auf das Henninger Karamalz ab. Dieses Nährbier gab es auch in meiner Kindheit zu besonderen Anlässen, beispielsweise bei körperlicher Schlappheit durch Erkrankung. Na dann, Prost! Leider gibt es die bauchige Flasche mit dem Bügelverschluss als Henninger Karamalz nicht mehr, die Henninger-Bräu AG ist heute eine Tochtergesellschaft der Radeberger Gruppe, Karamalz eine Marke der Brauerei Eichbaum, deren Geschichte wiederum eine Geschichte für sich ist. Leider ließe sich die Werbewirksamkeit in alter Erscheinung nicht vollumfänglich nutzen, wenn denn das Fahrzeug erst einmal wieder auf der Straße wäre.

Das nicht überall gute Stück habe ich vor ein paar Jahren gekauft, seither steht es und wartet auf mich. Der Originalbrief weist als Erstzulassung den 23.8.60 aus. Der Getränke-Schnell-Lastwagen wurde also an einem Dienstag in Dienst gestellt. Dies war noch vor meinem ersten Geburtstag und so war ich wohl zu jener Zeit näher an der Muttermilch als an der bauchigen Bügelflasche. Acht Jahre später, an einem Mittwoch, genauer gesagt am 16.10.1968 und damit an meinem 9. Geburtstag (… das könnte der gewesen sein, als ich von Gama bzw. von Oma den L 608 D als Feuerwehr mit Drehleiter und Anhänger, der Schlauch und Pumpe trug, bekam.. ) jedenfalls begann am Mittwoch, den 16.10.1968 das vorläufige Ende des Schnell-Lastwagens im süddeutschen Straßenverkehr. Was ist nur aus den 68er geworden? Die nächste Hauptuntersuchung wäre erst im April 1969 fällig gewesen.

Die Substanz des Fahrzeugs möchte ich als relativ gut bezeichnen, wobei relativ relativ ist, zumal Rahmenteile des Fahrgestells Rostschäden aufweisen und partiell ersetzt werden müssen. Das Führerhaus ruft auch nach Zuwendung, in den fahrgestellseitigen Hölzern des Aufbaus ist stellenweise der Wurm drin. Alles in Allem Arbeit, eine sehr schöne, eine mich erfüllen könnende, wenn es mir gelingt, den L 319 D in der Prioritätenliste nach vorne zu katapultieren. Bis dahin teilt der 319er das Schicksal weiterer Fahrzeuge, die nicht weniger Zuwendung und Lebenszeit verlangen, wohl wissend, dass letztere begrenzt ist, wenn auch nicht wo oder wann.

So viel zu Mani, Manieren und meinem L 319 D.

Ich werde mich im Versuch bemühen, ein paar Bilder anzufügen.

Harald2

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Autocross » 06.05.2017, 17:45

Hallo Harald das innen habe ich wohl überlesen . 319 waren innen nur Grundiert und deswegen ist der innen Ton nicht ganz original zu Treffen .Meine beiden sind innen in DB 158 lakiert .Gruss Mani

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Harald2
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 06.05.2017, 23:12

Hallo Mani,

danke für deine Information. Ich fasse nochmal nach: Da eine Grundierung nicht automatisch auch Rostschutz ist, sondern lediglich Haftvermittler für den weiteren Lackaufbau sein kann, frage ich mich, ob es sich tatsächlich nur um eine Grundierung handelt oder nicht etwa um eine Art "Einheitsbasislackierung". Gut, die Annahme, dass es sich um eine Grundierung handelt, könnte auch die eher stumpfe, matte Oberfläche erklären. Oder glänzte der Innenraum im Neuzustand? Steht das mit der Grundierung irgendwo in der Literatur oder ist der Fall etwa deshalb klar, weil nach einem Durchschliff der Innenraumbeschichtung direkt blankes Blech zum Vorschein kommt?

Nutzfahrzeuge der 60erJahre mit dem Stern aus Gaggenau und Mannheim sind, soweit ich richtig informiert bin, im Führerhaus immer in Wagenfarbe lackiert. Wenn dies in Sindelfingen und Düsseldorf anders gemacht wurde, dann kann ich mir schwer vorstellen, dass diese Schicht lediglich Teil einer im Grunde unvollständigen Lackierung sein soll. Dass die Außenlackierung nicht selten erst nach Auslieferung, ggf. zusammen mit dem Aufbau, vervollständigt wurde, würde erklären, dass Gesamtfahrzeuge grundiert ausgeliefert wurden. Aber weshalb sollte ausgerechnet Mercedes den Innenraum nur grundieren, während beispielsweise Volkswagen den T1 oder HANOMAG die Typen Kurier, Garant und Markant innen jeweils in Wagenfarbe lackierten?

Zusammenfassend würde mich interessieren:

1. Wie viele Farbschichten befinden sich auf den Blechteilen im Innenraum?

2. Wie war der Glanzgrad im Innenraum im Neuzustand: Matt, seidenmatt, glänzend oder ein sonstiger Glanzgrad?

3. Auch in den Innenräumen waren damals Ausbesserungen erforderlich. Oder wenn beispielsweise eine Türe erneuert werden musste, dann muss der Lackierer doch Informationen über die Lackierung auf der Innenseite gehabt haben. Hat jemand Literatur, aus der der Farbton bzw. das Material hervorgeht?

Der Innenraum im Führerhaus ist fast wichtiger als die Außenlackierung, zumal man beim fahren außer im Rückspiegel von einer beispielsweise hagedornroten Glanzleistung nicht allzu viel zu sehen bekommt. Bisher, so scheint es, versucht tatsächlich jeder, den Farbton so gut als möglich zu treffen. Dabei können schon kleinste Nuancen eine völlig andere Wirkung bewirken.

Werden wir eines der letzten Geheimnisse um den Schnell-Lastwagen langsam aber sicher lüften?

Harald2

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Autocross » 07.05.2017, 10:06

Hallo Ich habe eine neue Türen im Lager diese ist Grundiert im gleichen ton wie im 319 Innenraum .Der Sicherungskastendeckel ist mit einer schicht lakiert sowie auch die Trennwand in einer Kabine in meinem Lager .Glanzgrad würde ich sagen es war seidenmatt .Fahrgestelle wurden auf Wunsch Komplett zusammen gebaut und nur Grundiert an die Aufbau Hersteller geliefert zu erkennen an fehlendem Lack unter allen Gummis der Scheiben bei einigen meiner Fahrzeuge . Wenn du bei Mercedes gearbeitet hast wie du im anderen Beitrag schreibst könntest du dort die frage des Warum klären . Ich denke Wirtschaftlichkeit .

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 07.05.2017, 11:44

Hallo Mani,

danke für diese weiteren Informationen. Wenn du aus deiner offenkundig umfangreichen Erfahrung heraus und auch über deine Altneuteilebestände sagen kannst, dass auf den Blechen nur eine Schicht und diese eben im Farbton des Innenraumes aufgebracht wurde, dann untermauert dies natürlich die bisherigen Annahmen. Mich wundert es eben deshalb, weil eine Grundierung nicht zwingend auch Rostschutz ist, aber da mag möglicherweise ein Material verwendet worden sein, welches die Anforderung Haftvermittler und Korrosionsschutz in einem auf zudem ansehnliche Weise erfüllt hat. Wirtschaftlich konnte dieses Vorgehen nur dann sein, wenn diese eine Schicht nicht nur halbwegs ansehnlich war, sondern der weitere Lackaufbau weniger Funktion als optische Erscheinung zu bewirken hatte. Neben Wirtschaftlichkeit war es sicherlich auch ein Vorteil, ein vorhandenes Fahrzeug relativ schnell und einfach im Wunschfarbton eines Kunden umlackieren zu können, ohne dass dann beispielweise ein gelbes Fahrzeug sich mit blauem Innenraum beißt.

Ist denn bekannt, etwa durch alte Fotos, Filme, Prospekte, ob die Fahrzeuge damals wie Pkw auch tauchgrundiert wurden oder ob der Auftrag von Hand erfolgt ist?
Ich werde versuchen, über einen Kontakt zum MB Classic Center etwas über die Beschichtung der Ersatzteile in Erfahrung zu bekommen. Nutzfahrzeuge werden dort zwar eher stiefmütterlich behandelt, aber wenn zur Ersatzteilnummer beispielsweise einer Türe noch Zeichnungen verfügbar sind, dann könnte darauf mit etwas Glück auch die Oberflächenbeschichtung dokumentiert sein.

Gruß Harald

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Elo » 07.05.2017, 12:05

Hallo Harald,
das nenne ich mal eine Vorstellung, zwar spät aber dafür lesenswert. :klatsch:
Hier etwas aus einem Prospekt:
Grundierung.jpg


Gruß
Michael
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Harald2
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 07.05.2017, 16:13

Hallo Michael,

es freut mich, dass du meine Vorstellung als lesenswert erachtest, zumal es kaum auszudenken wäre, wenn du all dies gelesen hättest und zum gegenteiligen Schluss gekommen wärst :? . Die Vorstellung von Vorstellung kann ja unterschiedlich sein kann und somit Ansichtssache wie der Blick auf einen grundierten Innenraum.

Dein Auszug aus dem Prospekt ist jedenfalls ein ganz toller Nachweis: "Bevor die Schnell-Lieferwagen und Klein-Omnibusse in ihre werbewirksam fröhlichen Farben >> eingekleidet << werden, erhalten die Rohkarosserien die Grundierung, Rostschutz und Untergrund für den später aufgetragenen Lack zugleich."

Somit wäre nur noch die Frage offen, welches Material die damals verwendet haben.

Um eine Restauration möglichst originalgetreu durchführen zu können, gilt es zu diesem Punkt ein Material zu finden, welches in nicht einzig die Kfz-Branche durch Wasserbasislacke dominierenden Zeiten neben dem Farbton und dem Glanzgrad auch mindestens die korrosionsschützende Wirkung von damals erzielt. Sollte dies schon aufgrund heutiger Arbeits- und/oder Umweltschutzbestimmungen nicht mehr möglich sein, so wäre etwa der Blaue Engel zu befragen, was dieser zu empfehlen hat, um rollendes, schnell lastentragendes Kulturgut möglichst nah an den Zustand zum Zeitpunkt der Auslieferung zu versetzen. Wasserbasislacke sind nicht trotz sondern aufgrund derer Lösungsmittel kein Mittel zur Lösung, wobei man gerade im Innenraum gar doch über eine Anwendung nachdenken könnte, die ich jedoch draußen im Motorraum nicht bevorzugen würde, was die Verwendung letztlich dann doch ausschließt.

Dass es sich im Innenraum werksseitig letztlich nicht im eine vollwertige Lackierung handelt, spiegelt mein L 319 D im stumpfen Grunde wider: Nach Jahrzehnten der Standzeit in einem Schuppen, zwischen Stilllegung und heute liegen beinahe 50 Jahre, präsentiert sich aktuell aber nicht erst seit gestern auf den Flächen besonders im Innenraum ein recht markanter, nicht mehr verfliegen wollender Flugrost, der großflächig an Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpfs Sonnensprossen erinnert. Ein in meiner Obhut befindlicher HANOMAG Kurier aus dem Jahr 1963, innen wie außen in Wagenfarbe kurierblau (HG 33)lackiert, zeigt zwar am auf dem separaten Leiterrahmen gelagerten Führerhaus selbst weitaus mehr Zerfallserscheinungen als der L 319 D mit vergleichbarem Werdegang, auch der Kurier verbrachte Jahrzehnte stehend in einem Gemäuer, aber der Kurier, ehemals bei einem Kohlehändler* von Haus zu Haus, somit ähnlich dem Profil eines Getränke-Schnell-Lieferwagen im Einsatz, zeigt sich im Innenraum lediglich als Folge mangelnder Oberflächenpflege von seiner abgestumpften Seite. Würde man das Armaturenblech polieren, sähe es aus wie neu, wenn nicht derjenige, welchem der Erhalt dieses Kurier zu verdanken ist, mit einer Blechschere mitten im Blech sein Unwesen getrieben hätte. Er wusste wohl nicht, dass er den Scheibenwischermotor einfach von unten hätte ausbauen können, um diesen dann wo auch immer zweckentfremdet zu verwenden. Als Lebensretter dieses Kurier seien ihm diese Fehlschnitte verziehen, auch wenn's schwer fällt. Falls hier jemand Interesse an einem weiteren HANOMAG Kurier hat, einfach die Hand heben. Einen Vergleich der leichten Lastwagen von HANOMAG mit dem L 319 finde ich interessant, zumal die Konkurrenten mit sehr unterschiedlichen Konzepten das gleiche Ziel verfolgten und beide ja auch erreicht haben. Einen Transport könnte ich organisieren, sobald mein L 608 D, ebenfalls nach Jahrzehnten beim Hallenspiel, die Hauptuntersuchung und H-Abnahme absolviert hat und ich eine Versicherung gefunden habe, die auch Nutzfahrzeuge mit Autotransportaufbau als Oldtimer versichert.

Zusammenfassend ist für den Moment als erwiesen festzuhalten, dass es sich bei der Oberflächenbeschichtung im Innenraum im Grunde um eine Grundierung handelt. Nichts, was ihr nicht schon vorher wusstet oder glaubtet zu wissen, doch für mich ist das alte neu und spannend wie ein Krimi.

Besten Dank für den aufschlussreichen Prospektausschnitt!

Gruß Harald

*Nahezu ausgestorbene Form von Carbonvertrieb, nicht mit weitaus weniger ehrbaren Investmentbankern zu verwechseln, die mitunter anderer Menschen Kohle verheizen

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brizzel
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon brizzel » 07.05.2017, 18:26

Hallo harald,
willkommen im Forum.
Deine Vorstellung ist ja mal etwas ganz Anderes, interessant und lesensert.
zu deiner Fage, ob alle 319er in früher Kindheit in Grundierung ertränkt werden habe ich ein Foto von meiner Baustelle angehängt. Ich denke der Eine oder Andere hat so etwas schon mal gesehen. Die Grundierung wurde aufgespritzt, durch die Heizungsöffnung erreichte sie gerade noch die Rückseite. Das restliche Blech wurde dem freien Spiel der (Korrosions-) Kräfte überlassen.
Herzliche Grüße von (einem Fast-Frankfurter)
Peter
Front.jpg
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Nach 50 Jahren schon Rost? Gibt´s ja gar nicht!

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Harald2
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 08.05.2017, 00:18

Hallo Peter,

das sind ja interessante Einblicke und Aussichten. Ich kann mir vorstellen, dass du noch mehr solche Bilder hast. Wenn ja, her damit!

Achso, wie fügt man eigentlich Fotos in einen Beitrag ein? Hier habe ich eine Schaltfläche für übliches hochladen und anfügen noch nicht entdeckt.

Während der Bauzeit der 319er gab es ja Wechsel der Produktionsstandorte und auch die Tauchlackierungsverfahren befanden sich erst auf dem Vormarsch in automobile Hohlräume, wodurch dann, sofern eine Tauchlackierung bei einem Automobil zur Anwendung kam, auch Oberflächenpartien in zweiter Reihe kein blankes oder bestenfalls nebelfeucht angehauchtes Schattendasein mehr führen mussten. Die Folgen eines solchen Schattendaseins, doch schon Rost nach 50 plus Jahren, sind auf deinem Foto gut zu sehen. Ist denn bekannt, ob es in Abhängigkeit von Baujahr und Produktionsstandort Unterschiede bezüglich gründlicher Grundierung gab?

Für die allermeisten 319er genügte der Korrosionsschutz, sofern man aus heutiger Sicht überhaupt von einem solchen sprechen mag, jedenfalls für die durchschnittlich überschaubare Zeitspanne von der Werksauslieferung bis zum Schrottplatz, wo Peter H. (Bonazetti) aus dem von mir aus nahen Bopfingen ein fahrbereites Exemplar nahe dem letzten Moment dem Hochofen davonfuhr. Peter H. schrieb: "... der 319. Bj.1957 ,Pritsche meist mit Plane.Geht auch ohne Plane .Motor mit starken 43 PS. Seit 1989 mein Auto, damals direkt vom Schrottplatz nach Hause gefahren." 1989 also im Jahr der Wende entwendet und unter die persönliche Rettungsschirmherrschaft gestellt. Sehr lobenswert. Ist das wohl der graue mit dem roten Kennzeichen AA - 07010? Jener ist ja ein selten schönes Original!

Beim HANOMAG Kurier & Co. gab es mündlichen Überlieferungen zufolge teilweise schon nach 6 Jahren eine Ersatzkabine, weil die andere vorschnell der widrigen Witterung zum Opfer gefallen war. Rheinstahl war in dem Zusammenhang demnach kein Garant für die Langlebigkeit von Garant, Markant und Kurier, aber der Austausch einer Kabine auf einem Leiterrahmen war und ist verhältnismäßig einfach zu bewerkstelligen, sofern man denn eine zum Austausch hat. Da ist die weitgehend selbsttragende Konstruktion des L 319 mit verschweißtem Führerhaus eine andere Baustelle.

Und wie gesagt: Immer her mit rostigen Bildern!

Harald

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Elo » 08.05.2017, 06:23

Hallo Harald,
bezüglich des Bildereinfügens gibt es hier eine Anleitung viewtopic.php?f=10&t=2398
und ein Video


Grüße aus dem Westerwald

Michael
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 08.05.2017, 19:11

Hallo Michael,

wenn man oberhalb des Textes schaut und schaut und schaut und sucht und sucht und sucht, dann sieht man nicht, was ein paar Zentimeter weiter unten ist. Danke für den unumgänglichen Nachhilfeunterricht. Nicht als Strafe, mehr zur Übung will ich somit nicht als Straf-, mehr als Fleißarbeit gleich ein paar Fotodateien anhängen.

Gruß Harald

1 mercedes-benz-classic-l319-02.jpg
2 L 319 Pritsche Karamalz.jpg
3 L 319 D .jpg
4 L 319 D.jpg
5 L 319 D Getränkeaufbau.jpg

L 319 D Fahrzeugbrief.jpg


L 319 D Fahrzeugbrief 2.jpg
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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon panzerjim » 08.05.2017, 21:09

wow ! super modell ! :klatsch: :klatsch: :klatsch:
we can't make new with old .... but we try 8)

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon zehbeh » 09.05.2017, 08:17

Hallo Harald,
Glückwunsch zum schönen Pritschenexemplar.
Bin mal gespannt, wie schnell der auf der Prioritätenlisten nach oben rutschen wird, und vor allem, ob er es wird.
Du schriebst, dass Du zwischen den zwei großen Sternen aufgewuchst. Bist Du der Gegend treu geblieben, oder hat es Dich nun ganz wo anders hin verschlagen?
Meine Arbeitsstätte liegt jetzt nicht direkt zwischen diesen Sternen, beide sind aber nicht sehr weit entfernt.
Gruß,
Christian

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Harald2 » 09.05.2017, 23:22

Hello panzerjim,

thanks for your standing ovation :wink: A good friend of mine said that this 319 looks like a model car as a part of a model railway, but it is only a toy for a big boy.

I like your panel truck and of course Christans and Manis too - rolling heartbreakers.


Hallo Christian,

zu meiner Basisstation: Wenn du von deinem Arbeitsplatz aus zwischen den besagten Sternen bzw. deren Nachfolger eine Linie ziehst und deren Mitte in Richtung Peter H. nach Bopfingen verlängerst, dann liege ich ungefähr irgendwo dazwischen. Der L 319 D steht auf halbem Weg bei Winnenden in einer Scheune.

Dein Kastenwagen sieht ja fantastisch aus! War das mal eine Feuerwehr auf Basis eines originalen Kastens oder wie kamst du denn an eine solch gute Substanz? Beneidenswert, wunderbar!

Harald

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Re: L 319 D mit Getränkeaufbau von BERGER Frankfurt/Main

Beitragvon Autocross » 10.05.2017, 12:45

Rate mal mit Rosenthal :crazy: Orte raten ? Gruss Mani


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